GB Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel | Aktivitäten in Brandenburg
Die Stiftung
Aktuell
Fachschulen & Qualifizierung
Stadtentwicklung
Soziale Räume & Projekte
Strategien sozialer Integration
Niederlassung Brandenburg
Adressen und Personen
eMail
Newsletter
Publikationen
Archiv (Download)
Stellenangebote
zurück zur Startseite

Ausweitung auf das Land Brandenburg: Sozialraumanalyse Forst

Im letzten Geschäftsjahr hat sich der Geschäftsbereich verstärkt den Problemen der Stadtentwicklung in Brandenburg zugewandt. Hier stellt sich die Frage der Anpassung der Stadtentwicklungskonzeption an den demografischen Wandel in besonderer Form dar.

Die Stadt Forst (Lausitz) hat den Geschäftsbereich Stadtentwicklung mit der Erstellung einer Sozialraumanalyse beauftragt. Forst (Lausitz) setzt sich bereits seit vielen Jahren mit besonders schwerwiegenden Problemen auseinander, auf die immer wieder eine Antwort über die Akquise neuer Finanzierungsprogramme in der Stadt- und Sozialentwicklung gefunden wurde. Um diesen eine gemeinsame Richtung zu geben und strategische Entscheidungen voranzutreiben, hat die Kommunalverwaltung beschlossen, die Sozialstruktur beobachten zu lassen und nach Prognosen für die nächsten 10 bzw. 20 Jahre zu fragen. Leider sind diese Fragen durch den Auftraggeber noch nicht zwingend mit der Stadtentwicklung verbunden. Das hat eine Ursache in dem noch immer sehr sektoralen Denken der Verwaltung. Diese zu überbrücken und eine fruchtbare Zusammenarbeit der Fachbereiche Stadtentwicklung und Bildung / Soziales zu erreichen ist ein Ziel der Arbeit des Geschäftsbereiches Stadtentwicklung.

Die Stadt Forst (Lausitz) stellt sich gravierenden Aufgaben: Ehemals eine der reichsten Städte Deutschlands mit einer blühenden Textilindustrie, zentral und verkehrsgünstig in Deutschland gelegen, erinnern heute nur noch verfallene Fabrikantenvillen und faszinierende Fabrikarchitektur des beginnenden 20. Jahrhunderts an die einstige Blütezeit. Während des Zweiten Weltkrieges ist die Stadt vollständig geräumt worden und wurde zur Festung Forst, die im Laufe der Kampfhandlungen schwer zerstört wurde und die Brücken über die Neiße abgebrochen wurden. In den folgenden Zeiten in der DDR erlebte die Stadt einen erneuten Aufschwung, die Textilindustrie wurde auf eine sozialistische Produktion umgestellt, ebenso der Heizungsbau. Die Stadt wuchs wieder stark an, die zerstörte Innenstadt wurde zu einer „Stadt mit sozialistischem Antlitz“. Fachschulen siedelten sich an, Forst wurde zur ersten Fahrradstadt mit wachsenden Einwohnerzahlen. Diese Situation änderte sich grundlegend innerhalb weniger Monate im Jahr 1990. Es wurde bald ersichtlich, dass die in Forst angesiedelte Industrie nicht gegen die Konkurrenz aus China bestehen kann.

Heute wohnen im Großraum Forst nur noch 35.000 Einwohner, in der Innenstadt sind es nur noch 7.000. Zahlreiche Wohnungen wurden bereits zurückgebaut, immer noch stehen 8.000 Wohnungen leer, die in den nächsten Jahren ebenso rückgebaut werden müssen. Das bedeutet, dass das ehemalige Zentrum aufgelöst wird, die vom Krieg wieder aufgebauten Gebäude wie die Kirche oder vereinzelte Mietshäuser stehen zwischen freien Plätzen, die wechselweise als Grünfläche oder als Parkplatz ausgebaut wurden. Die Bevölkerung mit finanziell gesichertem Hintergrund, die nicht abgewandert ist, ist in die Randgebiete von Forst in Eigenheime gezogen. Das gibt der Stadt ein zerrissenes Aussehen, das das Lebensgefühl deutlich beeinflusst. Die Menschen wandern noch immer ab, hier sind es besonders die jungen Leute mit Abitur, von ihnen besonders die jungen Frauen. Die Stadt wird deutlich älter, Schulen werden zusammengelegt, Jugendzentren stehen leer.

Dennoch gibt es auch eine Bewegung von Menschen, die sich entschlossen haben, die zahlreichen Freiräume der Stadt aktiv zu nutzen. Unter ihnen sind junge Leute, die ein selbst organisiertes Jugendzentrum betreiben, zahlreiche soziale Projekte, die untereinander gut vernetzt sind oder auch eine Freiwilligenagentur, die mit Rekordzahlen an Freiwilligen die Pflege der Senioren unterstützen.

Der Geschäftsbereich Stadtentwicklung untersucht diese Stadt nicht mit dem Blick eines analytischen Wissenschaftlers, sondern teilnehmend und unter Einwerbung der Partizipation der Bevölkerung. Nach einer Voruntersuchung mit ca. 20 langen, narrativen Interviews wurden die Akteure und Einrichtungen ausgewählt, die genauer untersucht werden müssen. Zu diesen wurden ca. 120 Gespräche geführt und Beobachtungsprotokolle erstellt – mit Mitarbeitern, Nutzern, Nicht-Nutzern, Familienangehörigen der Nutzer etc. 
Die Fragebögen wurden kategorisiert und ausgewertet. In einem weiteren Schritt werden die ermittelten Daten mit den sozialen und demographischen Daten der Stadt Forst (Lausitz) kontrastiert. Hieraus werden Rückschlüsse gezogen auf die Qualität und die Bedarfe der Einrichtungen jetzt und in der Zukunft.

Die Ergebnisse werden nicht nur aufbereitet und zur Weiternutzung der Stadt übergeben, sie werden auch in einer Sozialraumwerkstatt mit den Beteiligten an der Untersuchung abgeglichen und überprüft. Es ist besonders wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, als diente diese Studie allein der Beantwortung der Frage, welche Einrichtung geschlossen werden muss und welche zusammengelegt werden müssen. Es geht – im Gegensatz dazu – um weiter in die Zukunft wirkende strategische Fragen. In allen Interviews haben die beteiligten Bürger auch die Frage nach dem Leitbild der Stadt Forst gestellt. So muss auch diese Studie die Frage beantworten, welche Zukunft die Stadt erwartet und in welcher Weise die Einrichtungen der Stadt und die Entscheidung der Kommunalverwaltung zur Zukunftsfähigkeit beitragen.

Ansprechpartner:
Jeanne Grabner
Fon: 030.493 001 23

Christoph Tober
Fon: 030.493 001-29